Als Mitte der 1970er Jahre der Mi-24 (Hind) erschien – der Prototyp absolvierte seinen Erstflug bereits am 19. September 1969, die Indienststellung erfolgte 1972 – versetzte dies den Westen in Furcht und Schrecken. Den Russen war es offenbar gelungen, einen fliegenden Panzer zu bauen. Sicherlich war der Mi-24 Hind auf den ersten Blick stark bewaffnet und gepanzert, jedoch nicht besonders wendig; dennoch ist er ein ernst zu nehmender Gegner. Der Rumpf des Hind ist stromlinienförmig und das Fahrwerk voll einziehbar; des Weiteren besitzt er zwei seitliche Flügel für Waffenaufhängungen, die während des Fluges aufgrund ihres starken Anstellwinkels tatsächlich Auftrieb erzeugen und den Rotor nicht nur um ca. 25 % entlasten, sondern auch für eine höhere Geschwindigkeit sorgen. Ein weiterer Effekt des Anstellwinkels ist die niedrige Höhe der Flügel, sodass die Waffenaufhängungen ohne Weiteres wieder aufmunitioniert werden können. Die Rotorblätter werden elektrisch enteist und bestehen aus einer Alu-Wabenkonstruktion mit einer CFK-Außenhaut, die Leitkante ist zusätzlich mit einer speziellen Schichtung gegen Erosion geschützt. Die Avionik war damals durch Updates auf dem jeweils neuesten Stand; viele Hubschrauber besitzen zudem einen Filter mit Fremdkörperabschneider.
Der Mi-24 (Hind) wurde ursprünglich als eine Mischung aus Transport- und Kampfhubschrauber konzipiert. Die Erfahrungen der Russen im Afghanistan-Konflikt veranlassten Mil jedoch zu einer grundlegenden Konzeptänderung und führten zu folgenden Versionen:
Hind-A (Mi-24B): Die Urversion besaß noch ein Viermannkockpit mit einer großen Glasscheibe, in dem Pilot, Copilot, Navigator und ein Schütze jeweils paarweise nebeneinander saßen. Der Hind-A fungierte als bewaffneter Truppentransporthubschrauber und konnte mit einem manuell zu bedienenden 12,7-mm-MG im Bug sowie an den Flügeln mit vier Raketenwerfern und zwei Paar gelenkten AT-2-Swatter-Raketen bestückt werden. Unter dem Bug befand sich die optische Kanonenvisierung; der Dreiblatt-Heckrotor war auf der rechten Seite angeordnet.
Hind-B (Mi-24A): Die erste Serienversion erhielt ein geändertes Heck und der Heckrotor wurde nach links verlegt. Sie gelangte zwar noch zum Einsatz, doch ihre weitere Entwicklung wurde nicht weiterverfolgt.
Hind-C (Mi-24U): Ausbildungs- und Trainerversion ohne Kanonenbewaffnung, eingeführt 1974.
Hind-D (Mi-24D): Durch die Kampferfahrungen im Afghanistan-Konflikt zeigte sich, dass der Transport von Truppen den Mi-24 in seinen Kampfhandlungen einschränkte, die Piloten im großen Cockpit zu verwundbar waren und der Hind aufgrund der von den USA gelieferten Stinger-Raketen ein zu leichtes Ziel bot. Mil überarbeitete daraufhin den Mi-24 und wandelte ihn zu einem reinen Kampfhubschrauber um; die Transportaufgabe wurde nach und nach an den Mi-8 übertragen. Die Hauptänderung bestand in der Neugestaltung der Nase: Das große Viermannkockpit fiel weg und wurde durch das heute markante Zweimannkockpit mit zwei bulligen Scheiben aus gepanzertem Plexiglas ersetzt. Zusätzlich erhielt er einen Kinnturm mit einem vierlaufigen 12,7-mm-MG (YakB) mit 4000 Schuss/min.
Hind-E (Mi-24W / Mi-35): Erschien kurz nach dem Einsatz der ersten Hind-D und war mit neuen AT-6-Raketen vom Typ Spiral bewaffnet. Diese Version wurde auch mit einem Infrarot-Störsender, einem Düppelwerfer und einem Luftmischer zur Hitzeunterdrückung der Triebwerkabluft ausgerüstet, um gegen die Stinger-Raketen gewappnet zu sein. 1982 wurde der Hind-E mit einem FLIR ausgestattet und dadurch nachtflugtauglich gemacht. Diese Modifikationen verbesserten den Hind zwar in seiner Feuer- und Abwehrstärke, wirkten sich jedoch nachteilig auf die Leistungen aufgrund der beibehaltenen ursprünglichen Turbine aus. Der Hind-E war die erste Version, die – unter der Bezeichnung Mi-35 – exportiert wurde.
Hind-F (Mi-24P): Diese Version wurde 1985 eingeführt und erhielt an der rechten Seite des Bugs eine starre 30-mm-Zwillingskanone mit 750 Schuss, da sich das 12,7-mm-MG im Afghanistan-Konflikt nicht bewährt hatte.
Weniger bekannte Versionen sind der Mi-24 RCh (Hind-G), der zur Aufklärung chemischer, atomarer und biologischer Waffen eingesetzt wird und z. B. beim Reaktorunglück von Tschernobyl im Einsatz war, sowie der Mi-24K (Hind-G2), der mit einer Fotoausrüstung zur Artillerieaufklärung ausgestattet ist.
In der DDR flog der Mi-24 in den Kampfhubschraubergeschwader KHG-3 "Ferdinand von Schill" in Cottbus und KHG-5 "Adolf von Lützow" in Basepohl. Ab 1978 kamen zunächst Mi-24D, 1989 kamen zwölf Mi-24P hinzu. Nach der Wiedervereinigung übernahm die Bundeswehr die verbliebenen Maschinen (Registrierungen 96+01 bis 96+51), musterte sie jedoch bis 1993 aus.
Insgesamt wurden rund 2650 Mi-24 aller Versionen gebaut; der Typ wird von 57 Ländern betrieben und steht mit rund 960 aktiven Maschinen weiterhin im weltweiten Dienst. Die modernste Exportversion, der Mi-35M, verfügt über komplett neue Avionik mit GOES-342-FLIR, GPS/GLONASS-Navigationssystem und der Fahigkeit, Igla-S-Luft-Luft-Raketen einzusetzen. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 kommt der Typ auf beiden Seiten des Konflikts zum Einsatz, da auch die Ukraine seit sowjetischer Zeit Mi-24 betreibt.

