Der AH-64 Apache ist wohl der berühmteste Kampfhubschrauber der Welt. Ursprünglich hieß er Hughes 77 und hatte sich bei der Ausschreibung der US Army für einen fortgeschrittenen Kampfhubschrauber durchgesetzt. Der erste Prototyp (YAH-64) absolvierte seinen Erstflug am 30. September 1975. 1984 wurde Hughes von McDonnell Douglas übernommen und der Hughes 77 erhielt von nun an die Bezeichnung AH-64 Apache; heutzutage gehört McDonnell Douglas wiederum zu Boeing. Berühmt wurde der Apache durch seinen Einsatz im Golfkrieg, wo er über 270 Panzer zerstörte.
Siehe auch die Vorgeschichte des
AH-56 Cheyenne Mitte der 1960er-Jahre im Rahmen des AAFSS-Programms (Advanced Aerial Fire Support System)
Heute gibt es folgende Versionen:
Der AH-64A ist die Grundversion der US Army und für den Export bestimmt. Ab 1993 wurde der AH-64A mit abhörsicherem Funk und GPS ausgestattet.
Der AH-64B: Dieses Programm wurde 1992 abgebrochen. Aufgrund der Erfahrungen im Golfkrieg war es als kurzfristige Verbesserung von 254 AH-64A geplant. Die Nachrüstung sollte eine Modernisierung des GPS, des Funks, der Zieltransfer-Kapazität sowie höhere Zuverlässigkeit und neue Rotorblätter beinhalten.
Der AH-64C: Frühere Bezeichnung für eine Modernisierung von AH-64A bis nahe an den AH-64D, allerdings ohne Longbow-Radar und unter Beibehaltung der 701-Triebwerke. Dieser Plan wurde 1993 aufgegeben, da stattdessen alle Maschinen zu AH-64D aufgerüstet werden sollten, einschließlich der nicht mit Radar ausgestatteten Maschinen.
AH-64D Longbow: Diese Version enthält das auf dem Rotorschaft montierte Northrop Grumman/Lockheed Martin AN/APG-78 Longbow-Millimeterwellen-Radar und ist in der Lage, den neuesten Typ der panzerbrechenden Hellfire-Rakete mit Radarsuchkopf zu verwenden. Aufgrund des Longbow-Radars ist der AH-64D in der Lage, bis zu 60 Ziele in einem Umkreis von 360 Grad anzuvisieren und zu bekämpfen. Ferner ist das Longbow in der Lage, besser durch Rauch oder Nebel zu sehen und kann auch bei schlechtestem Wetter eingesetzt werden. Dank dieses Radars und der neuartigen Hellfire-Raketen kann der Pilot das Ziel vor oder nach dem Abschuss einer Rakete anvisieren.
Stellen wir uns folgendes Manöver vor:
Der Apache schwebt hinter einem Hindernis, um nicht entdeckt zu werden. Nun taucht der Pilot für kurze Zeit so weit auf, dass das Longbow eben über dem Hindernis ist. Alle Ziele wurden vom Longbow gesichtet und nach Typen unterteilt und gespeichert. Der Bordschütze kann nun bequem alle Ziele nach Priorität ordnen und gegebenenfalls Ziele löschen. Der Pilot schießt nun ein oder mehrere Hellfire-Raketen in Abständen (ca. 3 Sek.) ab und bleibt weiterhin einige Sekunden in Deckung, da Hellfire-Raketen erst auf eine gewisse Höhe steigen, bevor sie das Ziel anfliegen. Die Hellfire braucht etwa 3 Sekunden, bis sie ihren Höhepunkt erreicht hat. Dies ist der Moment des Piloten aufzutauchen, das Longbow-Radar erfasst die Ziele erneut und aktualisiert deren Positionen; die Hellfires befinden sich jedoch schon im Angriffsflug und zerstören die Ziele, bevor sie den Apache anpeilen bzw. angreifen können.
Alle Raketen, die sich in der Luft befinden, steuern das momentane Ziel an; wenn ein Ziel zerstört ist, visiert das Longbow automatisch das nächste Ziel an. Bevor der Apache das Longbow-Radar erhielt, war er auf die Hilfe des Bell 206 / OH-58D Kiowa angewiesen, der bereits ein auf dem Rotorschaft installiertes Radar hatte und für den Apache die Aufklärung übernahm, woraufhin dieser die Ziele bekämpfte.
Neben der schon beschriebenen Hellfire-Rakete kann der AH-64D nun auch zusätzlich Luft-Luft-Raketen vom Typ Stinger oder Mistral verwenden, die an den Enden der Flügel montiert sind. Diese Version besitzt außerdem leistungsstärkere GE T700-Triebwerke, einen neuen Hauptprozessor und einen neuen Wärmetauscher. Aufgrund des leistungsstarken Longbow-Radars erhielt der AH-64D ein zweites Display, um den Piloten zu entlasten.
Der AH-64A und der AH-64D Longbow im Vergleich:
- Der AH-64D Longbow besitzt das Longbow-Radar und kann daher auf Ziele feuern, während der Hubschrauber in Deckung ist; der AH-64A Apache kann dies nicht.
- Der AH-64A Apache nutzt nur das TADS-Zielsystem, die Longbow hingegen das TADS- und FCR-Zielsystem.
- Der AH-64A Apache besitzt nur ein MFD und viele analoge Instrumente und Konsolen; die Longbow ist hingegen mit zwei MFDs ausgestattet, wodurch viele analoge Instrumente durch die MFDs ersetzt bzw. deren Anzeigen in die MFDs integriert werden konnten.
- Die AH-64A hat eine RWR-Anzeige (Radar Warning Receiver; Radarwarnempfänger), bei der Longbow ist das RWR ebenfalls in einem MFD integriert. Testergebnisse aus der Initial-Operational-Test-and-Evaluation-Phase:
- Die Longbow Apaches zerstörten 300 Ziele, während es die AH-64A nur auf 75 erfolgreiche Abschüsse brachten.
- Die Ziele wurden meist auf sehr viel größere Distanz ausgeschaltet (teils über sieben Kilometer), und bei schlechtem Wetter oder viel Rauch über dem Gefechtsfeld waren oft allein die Longbow Apaches zur Zielbekämpfung in der Lage.
- Während 28 normale AH-64A Apaches in den simulierten Gefechten der gegnerischen Luftabwehr zum Opfer fielen, hatten die AH-64D nur vier eigene Verluste zu beklagen.
- Vor allem trafen die Longbow Apaches nicht ein einziges Mal versehentlich eigene Truppen – ein Fehler, der den AH-64A-Besatzungen 34-mal unterlief.
AH-64E Apache Guardian: Die neueste und seit 2013 in der US Army eingeführte Version ist der AH-64E Apache Guardian, ursprünglich als AH-64D Block III entwickelt. Er erhielt leistungsstärkere T700-GE-701D-Triebwerke, ein verbessertes Getriebe, längere Verbundwerkstoff-Rotorblätter und eine neue offene Avioniksystemarchitektur. Die herausragendste Neuerung ist die Fähigkeit zur Steuerung von Drohnen (Manned-Unmanned Teaming, MUM-T), wodurch Besatzungen Sensordaten und Aufklärungsergebnisse von Drohnen in Echtzeit nutzen können, ohne das Einsatzgebiet selbst aufsuchen zu müssen. Bis November 2025 wurden mehr als 891 Exemplare des AH-64E ausgeliefert, die Produktion läuft voraussichtlich bis in die 2030er Jahre weiter.
WAH-64 / Apache AH.2: Diese Version wurde von AgustaWestland unter Lizenz für die britische Armee gebaut. Sie besitzt im Wesentlichen die gleiche Ausstattung wie der AH-64D Longbow einschließlich des Longbow-Radars über dem Hauptrotor, wird jedoch von Rolls-Royce/Turbomeca RTM 322-Turbinen angetrieben. Die 67 britischen WAH-64 (Apache AH.1) wurden bis März 2025 vollständig auf den AH-64E-Standard (Apache AH.2) umgerüstet.
Alle oben genannten Versionen besitzen die 30-mm-M230-Kettenkanone als Bordkanone und können mit ungelenkten Raketen vom Typ Hydra bestückt werden. Außerdem verkraftet das Fahrwerk des Apache eine Sinkrate von 12,8 m/s; zudem hält sein Bug 20-mm-Munition stand. Seine Nase beherbergt die wichtigsten Systeme wie TADS/PNVS (Target Acquisition and Designation Sight / Pilot Night Vision System), welches ein Nachtsichtgerät, einen Laserentfernungsmesser und zwei Kameras zur Feldüberwachung beinhaltet. Das IHADSS ermöglicht eine bessere Datenverarbeitung und macht den Apache dadurch noch kampfstärker (IHADSS siehe Lexikon). Mehr als 2875 Apaches aller Versionen wurden bisher produziert; der Apache ist der meistgenutzte Kampfhubschrauber der Welt und wird von 19 Nationen eingesetzt.
Weitere Versionen sind der GAH-64A, von dem ca. 20 Stück zur technischen Einweisung verwendet wurden, und der JAH-64A, von dem sieben Stück für Spezialtests eingesetzt wurden. Eine Maschine wurde später wieder zur Standardversion umgebaut.

