Die Bell 47 (militärische Bezeichnung H-13 Sioux) ist einer der bedeutendsten Hubschrauber der Luftfahrtgeschichte und das erste zivil zugelassene Drehflüglermodell der Welt. Ihre Entwicklung geht auf das Bell Modell 30 zurück, das Arthur M. Young entworfen hatte und am 29. Juli 1943 seinen Erstflug absolvierte; es war der erste Hubschrauber überhaupt, den Bell gebaut hatte. Der Prototyp der Bell 47 absolvierte seinen Erstflug am 8. Dezember 1945 in Fort Worth, Texas, und erhielt am 8. März 1946 als erster ziviler Hubschrauber weltweit eine Musterzulassung – ein historischer Meilenstein in der Luftfahrt.
Optisch prägend ist die charakteristische Plexiglas-Kugelkanzel, die ab der Version Bell 47D eingeführt wurde und dem Hubschrauber den Spitznamen "Goldfischglas" einbrachte. Das offene Gitterrohrgerüst des Heckauslegers und der Zweiblattrotor mit der horizontalen Stabilisierungsstange wurden zum Markenzeichen einer ganzen Generation von Hubschraubern. Der Zweiblattrotor mit zyklischer Blattverstellung und der senkrecht zu den Rotorblättern angeordneten Stabilisatorstange sorgte für eine gute Fluglage-Stabilität und erleichterte die Bedienung erheblich.
Im Koreakrieg bewies die Bell 47 ihren Wert als Sanitätshubschrauber eindrucksvoll; die Bilder der verwundeten Soldaten, die in seitlich am Rumpf angebrachten Bahren transportiert wurden, gingen um die Welt und wurden später durch die Fernsehserie M*A*S*H unsterblich gemacht. Die Bell 47 wurde von Bell bis 1973 ununterbrochen produziert und zusätzlich von Agusta (Italien, 1954–1976), Westland (Großbritannien) und Kawasaki (Japan, ab 1952) in Lizenz gefertigt. Insgesamt wurden über 7400 Exemplare gebaut, womit sie zu den meistproduzierten Hubschraubern der Welt zählt. In der deutschen Bundeswehr flogen ab Herbst 1956 insgesamt 45 Bell 47G-2 – zunächst bei der Heeresfliegerstaffel als Verbindungs- und Beobachtungshubschrauber, später bei der Luftwaffe für die Anfangsschulung von Hubschrauberpiloten bis 1974, als die Ausbildung in die USA (Fort Rucker) ausgelagert wurde. 31 der deutschen Maschinen wurden in Lizenz von Agusta in Italien gefertigt.

