Der Westland 30 entstand in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren als Vermarktungsstoß von Westland Helicopters in den zivilen Sektor. Technisch basiert er in wesentlichen Teilen auf dem Westland Lynx, mit dem er Getriebe, Verbundwerkstoff-Rotorblätter und das Rotorsystem teilt; der Rumpf hingegen war eine Neukonstruktion, um eine geräumige Passagierkabine unterzubringen. Ursprünglich als "WG-30 Super Lynx" bezeichnet, sollte er als Nachfolger für die älteren Typen Wessex und Whirlwind dienen und als Stadt-Zubringer, Bohrinseltaxi oder leichter militärischer Transporteur eingesetzt werden. Der Prototyp absolvierte seinen Erstflug am 10. April 1979 in Yeovil; 1981 begann die Serienproduktion der Version WG.30-100, die FAA-Zulassung (USA) folgte im Dezember 1982.
Dank seiner Technik ist der Westland 30 in der Lage, auch bei höheren Windstärken zu fliegen; im Notfall besitzt er ein Schwimmersystem und leicht zugängliche Türen. Trotz guter technischer Eigenschaften blieb der Westland 30 kommerziell ein Nischenprodukt: Der wichtigste Einzelkunde war die indische Pawan Hans Helicopters Ltd., die 21 Maschinen für Erdölexplorationseinsätze beschaffte. Dort erwies sich der Typ jedoch als anfällig im tropischen Klima; zwei tödliche Unfälle führten zur frühzeitigen Ausmusterung der gesamten indischen Flotte im Jahr 1991. Insgesamt wurden nur 41 Exemplare gebaut, kein militärischer Kunde wurde gewonnen. Eine interessante technische Verbindung: Als Trevor Egginton am 11. August 1986 mit einem modifizierten Lynx den FAI-Weltrekord für Hubschrauber mit 400,87 km/h aufstellte, waren an dieser Rekordmaschine das Leitwerk und die Heckrotorflächen des Westland 30 eingebaut worden, um die Flugeigenschaften bei hohen Geschwindigkeiten zu verbessern.

