Die Bristol 171 Sycamore (Sycamore = englisch für Bergahorn; die Rotorblätter bestehen aus australischem Ahornholz) ist der erste vollständig in Großbritannien entwickelte und gefertigte Hubschrauber nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Entwicklung begann 1944, als der österreichische Ingenieur Raoul Hafner, der vor dem Krieg nach England emigriert war, bei der Bristol Aeroplane Company eine Gruppe von Ingenieuren zusammenstellte, die zuvor an Lastenseglerprojekten gearbeitet hatten. Nach über zwei Jahren Entwicklungsarbeit absolvierte der erste Prototyp am 27. Juli 1947 in Filton seinen Erstflug – noch mit einem Pratt-&-Whitney-R-985-Motor, der beim Erstflug des zweiten Prototyps durch den leistungsstärkeren Alvis-Leonides-Sternmotor ersetzt wurde. Die Serienfertigung begann im Februar 1952; bis 1959 wurden insgesamt 178 Maschinen gebaut.
Die Sycamore ist eine Ganzmetallkonstruktion mit einem nicht einziehbaren Dreibein-Fahrwerk und der konventionellen Hauptrotor-Heckrotor-Anordnung; beide Rotoren besitzen je drei Blätter. Der Hauptrotor kann auf Wunsch beigeklappt werden, um Platz in Schiffshangars zu sparen. Die Kabine bietet neben dem Piloten Platz für drei Passagiere; die Kabinenstruktur wurde versteift, um eine Rettungswinde montieren zu können.
Die Sycamore wurde von der Royal Air Force, der deutschen Bundeswehr, den belgischen Streitkräften und der Royal Australian Air Force sowie zivil von British European Airways und Ansett Australia betrieben. Die Bundeswehr erhielt 50 Maschinen des Typs Sycamore Mk.52G; ab Mai 1957 wurden die ersten Hubschrauber an die Luftwaffe geliefert, im Juni 1958 gingen zusätzlich zehn Maschinen an die Marineflieger, die sie bis Januar 1967 eingesetzt. Wie ihr Zeitgenosse Saunders-Roe Skeeter war die Sycamore damit einer der ersten Hubschraubertypen, die die neu aufgestellten deutschen Streitkräfte in Dienst stellten – und gehörte auch zu den ersten, die wieder ausgemustert wurden: 1969 endete die Dienstzeit der Sycamore bei der Bundeswehr. In Großbritannien war die Sycamore unter anderem an Such- und Rettungseinsätzen im Malaya-Aufstand beteiligt sowie an den ersten Rettungseinsätzen der RAF mit Hubschraubern überhaupt. Ein Exemplar der Flying Bulls österreich trägt bis heute originalgetreu die Bemalung der RAF und besitzt sogar eine Sondergenehmigung der britischen Königin, britische Hoheitszeichen tragen zu dürfen.

