Der Bell/Boeing V-22 Osprey (Osprey = Fischadler) absolvierte seinen Erstflug am 19. März 1989 und war damit das erste, sogenannte Kipprotorflugzeug oder auch Tiltrotor der Welt, das in Serie gefertigt und in den Truppendienst gestellt wurde. Die Osprey ist somit kein Hubschrauber, gehört jedoch zur Kategorie der Drehflügler. Vorige Modelle, wie der Bell XV-15, dienten lediglich zu Testzwecken, und die Ergebnisse und Erfahrungen flossen in die V-22 ein. Das Kipprotorflugzeug ist eine Mischung aus Hubschrauber und Flugzeug. Daher kann es wie ein Hubschrauber senkrecht starten, auf der Stelle schweben und sich um die eigene Achse drehen, dabei jedoch wie ein Flugzeug wesentlich schneller als ein Hubschrauber fliegen. Das Geheimnis des Kipprotorflugzeuges sind seine schwenkbaren Rotoren, die nach oben gerichtet für den nötigen Auftrieb beim Start oder im Schwebeflug sorgen (wie beim Hubschrauber). Später werden sie nach vorne gerichtet und sorgen so für die nötige Geschwindigkeit, damit nun die Tragflächen für den Auftrieb sorgen (wie beim Flugzeug).
Beim Militär wird die Osprey für Truppentransporte, zur elektronischen Kriegsführung und als Rettungs- und Kampfunterstützungsflugzeug eingesetzt. Für einen Transport können die Rotoren gefaltet und die Tragflächen beigeklappt werden.
Die Entwicklung war von mehreren schweren Rückschlägen geprägt: 1991 und 1992 stürzten zwei Prototypen mit insgesamt neun Todesopfern ab, im Jahr 2000 kam ein weiterer Absturz mit vier toten Marines hinzu. Die erste Transition zwischen Schwebe- und Horizontalflug gelang bereits am 14. September 1989, das erste Serienflugzeug entstand jedoch erst am 5. Februar 1997. Nach jahrelangen weiteren Erprobungen schloss die Osprey im Juni 2005 die letzten Truppentests unter Einsatzbedingungen ab, woraufhin das Pentagon im September 2005 offiziell die reguläre Serienproduktion anordnete. Das US Marine Corps begann bereits im Jahr 2000 mit der Besatzungsausbildung für die MV-22B und führte sie 2007 ein, womit der bisherige Transporthubschrauber CH-46 Sea Knight abgelöst wurde. Im September 2007 wurde die erste Staffel in den Irak verlegt und stand damit erstmals unter Kampfbedingungen im Einsatz.
Heute ist die V-22 in drei Versionen im Dienst: als MV-22B beim US Marine Corps, als CV-22B beim Air Force Special Operations Command sowie seit 2020 als CMV-22B bei der US Navy zur Versorgung von Flugzeugträgern. Seit 2020 betreibt auch Japan eigene V-22 als erste ausländische Nutzernation.

