EH Industries ist eine von Agusta und Westland im Jahre 1979 gegründete Firma. Später fusionierten jedoch beide Hersteller zu AgustaWestland. Das Ziel war die Entwicklung eines U-Boot-Jagdhubschraubers für die englische und italienische Marine. Während der Entwicklung stieg jedoch auch das zivile Interesse an dem Hubschrauber. Daher wurden drei Grundtypen entwickelt. Jedes Auftraggeberland modifizierte jedoch die Grundausstattungen, wodurch im Grunde genommen neue Typen entstanden. Westland war dabei für die Entwicklung der Zivilversion, Agusta für die militärische Transportversion und beide je zur Hälfte für die Marineversion verantwortlich.
Der erste Prototyp absolvierte seinen Erstflug am 9. Oktober 1987. Die zivile Version soll zur Versorgung von Bohrinseln und als Transporthubschrauber genutzt werden, da er sehr leise, wartungsarm und günstig in den Flugkosten ist.
Ende März 2000 wurde das Testprogramm bei extremer Kälte abgeschlossen. Der EH 101 musste dabei lange Schwebeflüge und Flüge in 2100 m Höhe bei Extremtemperaturen von bis zu -50 Grad Celsius absolvieren.
Die Royal Navy ist heute alleiniger britischer Nutzer der Merlin-Flotte, nachdem die Royal Air Force ihre Maschinen 2014 komplett an die Marine abgegeben hat. Ursprünglich bestellte die Royal Navy 44 Merlin HM1 zur U-Boot-Jagd, die zwischen 1998 und 2002 für rund 5,028 Mrd. Pfund (8,3 Mrd. Euro) ausgeliefert wurden und den Sea King in dieser Rolle ersetzten. Nach dem Verlust von zwei Maschinen bei Unfällen wurden rund 30 der verbliebenen Hubschrauber auf den moderneren Merlin HM2-Standard aufgerüstet, darunter auch die Frühwarnvariante Merlin HM2 Crowsnest. Hinzu kommen 25 ehemalige RAF-Maschinen, die zu Merlin HC4/HC4A umgerüstet wurden und als Commando-Transporthubschrauber bei den Royal Marines im Einsatz sind.
Der Merlin HM2 ist mit einem Autopiloten, neuester Avionik, Multifunktionsdisplays mit digitalen Karten, taktischen Funkgeräten und einer Seilwinde ausgestattet. Zur aktiven U-Boot-Jagd besitzt er ein Thomson Marconi Tauchsonar, das bis zu 750 m herabgelassen werden kann. Für die passive U-Boot-Jagd ist er mit zwei Magazinen für Sonarbojen ausgestattet. Ferner besitzt er ein Blue-Kestrel-5000 360-Grad-Rundumsichtradar von BAE Systems unter dem Bug und ein Orange-Reaper-System mit sechs Antennen für die Überwachung von 2000 verschiedenen gegnerischen Sendertypen. Für die letztendliche U-Boot-Bekämpfung ist der Merlin mit vier Torpedos vom Typ Stingray bestückt; eine Bestückung mit Anti-Schiffs-Lenkraketen ist technisch möglich, wurde aber bislang nicht umgesetzt.
Der Merlin HC4 besitzt im Grunde genommen die gleiche Ausrüstung wie die U-Boot-Jagd-Version, ist jedoch mit einer vereinfachten Avionikausrüstung ausgestattet. Zur weiteren Ausrüstung gehört eine Heckladerampe, Restlichtverstärker-Brillen, ein umfangreicheres Eloka-System, eine Luftbetankungssonde und MGs zur Verteidigung. Bei Bedarf kann ein FLIR in der Nase hinzugefügt werden.
Die italienische Marine betreibt heute 21 Maschinen in drei Versionen: acht für die U-Boot-Jagd (SH-101A), vier für Frühwarnaufgaben (EH-101A) und acht als Transporthubschrauber (UH-101A). Die Ausstattung der U-Boot-Jagd-Version gleicht stark der britischen, es werden jedoch viele italienische Systeme verwendet; zur Grundausstattung gehört unter anderem die Bestückung mit Marte-Mk2-Anti-Schiffs-Lenkraketen. Zusätzlich betreibt die italienische Luftwaffe seit 2014 zwölf Maschinen der Spezialkräfte- und Rettungsvariante HH-101A „Caesar".
Kanada setzt seit 2002 die kanadische Version unter der Bezeichnung CH-149 Cormorant für Such- und Rettungseinsätze ein; von den ursprünglich 15 bestellten Maschinen stehen heute noch 13 im Dienst. Die Flotte wird derzeit im Rahmen eines milliardenschweren Modernisierungsprogramms (Cormorant Mid-Life Upgrade) grundlegend überarbeitet und am norwegischen AW101-612-Standard ausgerichtet. Dabei werden drei komplett neue Maschinen gebaut und die 13 vorhandenen umfassend modernisiert, sodass die Flotte ab 2029 wieder 16 Maschinen umfassen und voraussichtlich bis in die 2040er-Jahre im Dienst bleiben soll.

